„Fachkräftebedarf – sind wir dafür gerüstet?“ - Zweites Wirtschaftsgespräch im Dresdner Südosten

Die Situation: Zu wenig Junge in Arbeit, zu viele Alte in Rente. Dazu weiter sinkende Bevölkerungszahlen und Abwanderung von Hochqualifizierten. Auf der anderen Seite unbesetzte Stellen und freie Ausbildungsplätze. Woran liegt's? Dem auf den Grund zu gehen, luden wie jedes Jahr im Herbst Christian Piwarz MdL und der CDU-Ortsverband Dresdner Südosten zum Wirtschaftsgespräch in die Glöckner Autowelt . Thema des Abends: Fachkräftemangel, dessen Auswirkungen auf Dresden und Sachsen. Die Fragen: Inwieweit sind wir darauf vorbereitet? Welche Probleme sind zu lösen?

Gemeinsam mit Thomas Wünsche, dem Vorsitzenden der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Dresden und Dr. Werner Mankel vom Institute for Further and Continuing Education an der TU Dresden, gingen die anwesenden Unternehmer und CDU-Mitglieder diesen Fragen nach. Dabei betonte bereits Christian Piwarz in seinem Eingangsstatement, dass beispielhaft bei der Lehrergewinnung und –ausbildung deutlich wird, welche Probleme der Fachkräftebedarf nach sich zieht. Bis 2020 gehen über 8.000 Lehrerinnen und Lehrer in Rente und stellen den Freistaat Sachsen vor eine große Herausforderung, den sich hieraus ergebenden Personalbedarf zukünftig zu decken.

Deutlich wurde auch, dass das vermittelte Wissen oftmals nicht ausreiche, um fit für Ausbildung oder Studium zu sein. Hier machten vor allem die beiden Referenten klar, dass es ohne lebenslanges Lernen nicht funktionieren kann. Denn nur die kontinuierliche Weiterbildung garantiert beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt – gerade auch in Zeiten der Arbeitslosigkeit. Doch sind hier auch die Unternehmen gefragt. Thomas Wünsche skizzierte dies anhand des Beispiels von arbeitslosen Ingenieuren über 50 Jahren. Alle Weiterbildung, in Kooperation mit Hochschulen oder IHK nütze nichts, wenn nicht auch die Unternehmen bereit sind, den potentiellen neuen Arbeitnehmern Einblicke in die Praxis zu gewähren und sie später einzustellen. Dabei sind ältere Arbeitnehmer nicht nur reine Produzenten, sondern könnten sich mit ihrer Erfahrung und ihrer Motivation auch der Ausbildung der Jüngeren widmen.

 

Der Leiter der Arbeitsagentur zeichnete zwar ein angespanntes, aber kein dramatisches Bild vom Arbeitsmarkt. Ohne wirksames Gegensteuern allerdings werde sich die Situation vor allem in der Elektro- und Metallbranche drastisch verschärfen. Schon heute braucht es durchschnittlich zwei bis drei Monate, um eine frei gewordene Stelle zu besetzen. Zudem steige auch die Anzahl der zu besetzenden Stellen. Ähnlich sehe es im Tourismus- und Gastronomiegewerbe aus. Viele junge Frauen entscheiden sich hier für Ausbildung oder Studium, können dann aber mitunter aufgrund der nur schweren Vereinbarkeit von Familie und Beruf (beispielsweise durch  Arbeitszeiten) nicht mehr in diesem Bereich arbeiten.

 

Es sei, so Wünsche, in manchen Bereich durchaus üblich, dass nicht mehr die Unternehmen, sondern die Arbeitnehmer die Vertragsbedingungen bestimmten. Im Vordergrund stehe dabei nicht zwingend das höchste Gehalt, sondern eher weiche Faktoren wie flexiblere Arbeitszeiten, einen Kitaplatz oder ein Job für den Partner.

 

Dies wurde von Werner Mankel so bestätigt. Zudem plädierte er dafür, jetzt und schnell zu handeln. Denn es braucht im Schnitt drei Jahre – Ausbildung oder Bachelorstudium – bis der Nachwuchs ins Arbeitsleben einsteigen und die Wirkung der angestrengten Maßnahmen überprüft werden kann.

 

Als Fazit bleibt, dass von staatlicher Seite großer Wert auf eine angemessene Schulbildung gelegt werden muss. Bildung und Wertevermittlung beginnt aber nicht, dort sondern vor allem in den Familien. Die Unternehmer wiederum sind gefordert, auch denjenigen eine Chance zu geben, die vielleicht nicht auf den ersten Blick ins Raster passen, aber durch ihre Leistungsbereitschaft und ihr Engagement überzeugen. Die zweistündige Diskussion, auch gemeinsam mit dem Publikum, brachte einen guten Überblick über die unterschiedlichen Aufgabenstellungen für alle Beteiligte. Es wurde deutlich, dass einzelne Punkte weiter vertieft werden müssen, aber wichtige Anregungen hat auch dieses Wirtschaftsgespräch gebracht.